Ist Zitronencreme auf Mittelformat noch cremiger?

Food-Fotografinnen gehören zu einer besonderen Gruppe von Menschen. Zuerst recherchieren sie Rezepte in unzĂ€hligen KochbĂŒchern, dann kochen, backen, rĂŒhren und richten sie an, um schließlich ihr Werk fĂŒr die Nachwelt auf Silikon zu bannen.

Elisabeth von Pölnitz-Eisfeld gehört zur illustren Gruppe der Food-Blogger und veröffentlicht ihre Bilder und Rezepte seit geraumer Zeit kostenlos – dafĂŒr auf höchstem Niveau – auf ihrer Webseite:

http://elisabethvonpoelnitz.de/

Ich weiß nicht, ob sie mit selbstgebackenem Kuchen oder Dessertcreme arbeitete, um Hasselblad zur Herausgabe einer H5D mit 40 MB-Digitalback zu ĂŒberreden, aber sie war erfolgreich und bekam das KameraschĂ€tzchen im Gegenwert eines Kleinwagens zum Test zur VerfĂŒgung gestellt.

Canon vs. Hassy

Wer sich ein bisschen mit Kamerageschichte auskennt, weiß, dass frĂŒher Mittelformat klassisch quadratisch war, meist 6 x 6 cm groß, und dass praktisch nur Profis damit arbeiteten. Wer was auf sich hielt, musste ein Hasselblad-System haben, zwingend.

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Das ist allerdings lange her und mittlerweile fotografiert die Welt – auch die professionelle – ĂŒberwiegend mit digitalem Kleinbildformat. Im Falle von Elisabeth mit einer Canon 5D Mark II mit 24-70/2.8 bzw. 100er Makroobjektiv. Diese ließ sie nun gegen eine Hasselblad H5D mit einem 80er Objektiv antreten. Alle Einstellungen waren bei Blende 4 und 1/125 s. Wer sich auskennt, weiß, dass es mittlerweile KB-Sensoren mit 42 Mpix von Sony gibt, also Auflösung alleine kann nicht das ausschlaggebende Argument fĂŒr ein Mittelformatsystem sein. Zur Erinnerung, der Silikonchip der Canon ist 36 x 24 mm groß, der der Hassy ca. 36 x 49 mm.

GrĂ¶ĂŸerer Sensor, besseres Bild?

Die Experten sind sich mittlerweile einig, dass man in Webauflösung eigentlich keinen nennenswerten Unterschied zwischen MF und KB entdecken kann. Blindtests fĂŒhren immer wieder zur Erheiterung. So geriet www.luminous-landscape.com einmal aus Versehen ein Bild einer Kompaktkamera fĂŒr 600 Euro neben das einer 25.000 Phase One und keinem fiel es auf. Die Unterschiede lassen sich auf eine geringere TiefenschĂ€rfe bei Mittelformat zurĂŒckfĂŒhren (wenn man nicht die Kleinbildkamera entsprechend aufblendet). Elisabeth von Pölnitz entschied sich dazu, beide Kameras bei Blende 4 und 1/125 s zu vergleichen, da das ihre gewohnten Einstellungen sind.

Aber wie ĂŒberall, so gilt auch hier: Das Bessere ist des Guten Feind. Bei nĂ€herer Betrachtung sieht man, dass der grĂ¶ĂŸere und teurere Sensor mehr Detail aufnimmt und auch weichere FarbĂŒbergĂ€nge bringt, d.h., dass man mehr Farbabstufungen hat, gut erkennbar an den Lichtern, die bei der Hassy immer noch etwas dichter sind. Man nennt das auch Dynamikumfang. 95% der Menschheit wird das nicht auffallen, aber wer das braucht, der muss tiefer in die Tasche greifen.

Die Kreditkarte zittert

Die Hasselblad kostet mit einem Objektiv rund 10.000 Euro, wĂ€hrend man eine aktuelle Kleinbild-DSLR von CaNikon fĂŒr 2000 Euro mit einem Makroobjektiv bekommen kann. Das MittelformatgehĂ€use ist groß und schwer mit einem beeindruckenden satt klingenden Schwungspiegel. Die Technik liegt solide und griffig in der Hand und wirkt superprofessionell. Möchte man mit sowas eine Veranstaltung fotografieren? Nein 
 TrĂ€umen Fotografinnen von sowas nachts? Aber ja!

Disclaimer

NatĂŒrlich sind Food- und Fotokunst-Bloggerinnen keine verkappten Technikerinnen, die wissenschaftliche Versuchsaufbauten zum nachvollziehbaren Kameratest konstruieren. Deshalb darf Kritik an der Methodik gerne bei Euch bleiben. Wir fotografieren nur.