Pixelschubsing

Puppy Love

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass man im Urlaub ganz anders herumläuft als in der Heimatstadt auf dem Weg von A nach B, aber in New York, im Mai 2015, hätte ich fast an jeder Ecke Menschen gefunden, die sich mit mir zu einem Shoot verabredet hätten. Vielleicht schaffe ich es demnächst mal wieder in die Gegend und dann probiere ich es aus.

Auf den Path-Train wartend am World Trade Center Bahnhof war diese junge Frau namens Petra mit ihrem Welpen zu sehen, wahrscheinlich hatte sie ihn gerade vom Züchter abgeholt und ich zückte spontan die Kamera (die sowieso immer im Anschlag war) ob dieser liebevollen Szene. Später dann im Zug sprach ich beide an und fragte, ob es Ihnen recht sei, fotografiert zu werden. Beide reagierten sehr erfreut, posten bereitwillig und bekamen die Bilder per E-Mail zugeschickt.

Da ich mit Petras Freundin Sherri (links im Bild ganz unten verdeckt) auf Facebook befreundet bin, weiß ich, dass sie selber Fashion-Fotografin und sehr kreativ ist. Solche Begegnungen bereichern mein Leben und vielleicht treffen wir uns eines Tages in einem Studio wieder. Ausgemacht ist es bereits, aber jetzt trennen uns noch ein paar Tausend Meilen voneinander.

„Puppy Love“ ist eines meiner meist verkauften Bilder und im Pop-Art-Stil bearbeitet. Es besteht aus drei Fotos, die zusammenmontiert wurden. Das Motiv „Love“, eine riesige 3D-Skulptur nahe der 5th Avenue sowie ein Amtrak-Zug finden sich im Hintergrund. Die Farbe Rot wählte ich, weil sie nun einmal unzertrennlich mit dem Begriff „Liebe“ verbunden ist.

Von Musen und Menschen

Eine wachsende Zahl von Amateuren sieht sich nach der ersten Begeisterung der technischen Möglichkeiten im Fotostudio mit inhaltlichen Fragen ihres Tuns konfrontiert. Zunächst einmal ist man fasziniert ob der Möglichkeiten, die man mit Blitzen nebst Lichtformern hat. Es ist schon etwas ganz besonderes, wenn man nicht auf die Qualität des available lights angewiesen ist und die Plastizität des menschlichen Körpers herausarbeiten kann, wie es z.B. bei Outdoorshoots niemals möglich wäre.

In der bildenden Kunst, Malerei und Skulptur, ist das meist dargestellte Sujet zweifelsohne der menschliche, insbesondere: der weibliche Körper. So lerne ich häufig Gleichgesinnte auf Foto-Workshops kennen, die versuchen, einen eigenen Ausdruck in ihrer Bildsprache zu finden. Das ist aber gar nicht so leicht. Einfacher wäre es, z.B. an Schaufensterpuppen zu üben, aber der Vergleich drängt sich geradezu auf: das wäre dann Barbiepuppenspielen nur in groß. Wir haben aber schon eine höhere Stufe auf der Leiter der People-Fotografie erklommen und brauchen ein Model aus Fleisch und Blut, in mehr als 90% der Fälle übrigens eine Frau. Ausnahmsweise eine Benachteiligung der Männer!

Wirklich tolle Synergien ergeben sich bei Pärchen, in denen der eine Part fotografiert, der andere modelt, hier ist Vertrautheit neben einer längerfristigen Auseinandersetzung mit einem Thema eine ideale Basis für beide, sich weiterzuentwickeln. Ich kenne nur wenige Beispiele. Musen – auch männliche – scheinen ein seltenes Gut zu sein.

Bekannte von mir fotografieren daher gerne wechselnde TfP-Teilnehmerinnen, ein Model auf Facebook macht nur noch Selfies, die aber hochgelobt werden (auch Stefan Dokoupil hat in seinen freien Projekten sehr faszinierende inszenierte Selbstbildnisse veröffentlicht), Gottfried Helnwein stellt eigentlich nur noch Kinder dar. Aber die Suche nach einem Hauptmodel ist ein wiederkehrendes Thema in meinen Gesprächen mit den Kollegen.

Seien wir ehrlich: Das Rezept für ein gutes Bild ist ein wohlgeformter, extrem gut aussehender Mensch mit interessantem Posing und Outfit. Tatooliebhaber halten nach solchem Körperschmuck Ausschau, Lifestyle-Fotografen wünschen LiLaLaune-Mädels mit Franzenschnitt, manch einer bevorzugt Tänzer oder bärtige Hipsters. Jeder kennt seine Vorlieben. Denn was einem gefällt, dem widmet man gerne viel Zeit. Wir erinnern uns: Fotografie ist aufwändig, von Model-/Location-/Themensuche bis zur bearbeiteten Serie können einem drei graue Haare wachsen oder mehr. Ein Blick in den Spiegel bestätigt mir, dass sich das läppert.

Ginge es nur darum, hübsche, schlanke Mädels in coolen Klamotten abzulichten, wäre der Blogeintrag hier zu Ende. Die gibt es zuhauf und sind gerne zu TfP-Shoots bereit. Aber da sind wir wieder beim Barbiepuppenspielen auf Höchstniveau, mal ein blaues Kleidchen, dann ein pinkes Oberteilchen – austauschbar – die Fotogruppen im Internet sind voll davon.

Was ist denn nun eine fotografische Muse? Der/die Seelenverwandte vor der Kamera, der das widerspiegeln kann, was der Mensch mit dem Zeigefinger auf dem Auslöseknopf darstellen möchte. Klingt nach Schauspielern und wahrscheinlich ist es das auch, alles andere wäre Dokumentation …

Information zum Beitragsbild: Eine Zusammenarbeit mit dem alternativen Model und Posing-Genie Triz Täss.
Triz Täss auf Facebook

Bilderflut

In der Modelkarteigruppe auf Facebook sowie dem alternativen Pendant ebenda fiel mir erst kürzlich auf, dass einige Threadersteller sich beschwerten, dass manche Bilder von ihnen nicht so viele Klicks bekämen wie sonst gewohnt. In den sich daraus ergebenden Diskussionen wurde gemutmaßt, dass der Untergang der westlichen Welt unmittelbar bevorstünde und nur noch einschlägige Bilder trotz Keuschheits-Sternchen beim Publikum punkten könnten … der eingeweihte Leser weiß schon, was ich damit meine 😉

Das ist schon eine Überlegung wert, dachte ich bei mir selbst. So hat auch Facebook bekanntermaßen die Algorithmen vor ein paar Wochen dahingehend geändert, dass Fanpages wieder an Reichweite verlieren. Schließlich muss ja Umsatz generiert werden. Eine kostenlose Werbeplattform ist so selten wie das berüchtigte free Lunch.

tessa-2787Allein, mein Blick wanderte auf das gepostete Bild des enttäuschten Models. Und es war mittelprächtig, bissi romantisch, ein paar eingebaute Schmetterlinge, Durchschnittsware, die nur Erbtanten in Verzücken versetzt. Die üblichen Verdächtigen, die solche Gruppen frequentieren, sind von solchem Material nicht mehr zu begeistern. Das schaut man keine Sekunde an, wenn man nicht mit der dargestellten von dem Flatterkram eingerahmten Person verwandt oder verschwägert ist, der überlastete Karpaltunnel spart sich den Klick …

Es liegt daran, dass man es schon zu häufig gesehen hat, der Orginalitätsfaktor ist nach 1.000 märchenhaft angehauchten Bildern einfach nicht mehr gegeben, vor allem, weil das Budget des Shoots eben nicht von Disney kommt und die Fotografin Annie Leibovitz heißt, sondern Alina Müller alias Fairy Photography (Namen sind frei erfunden, stimmen aber wahrscheinlich trotzdem) hier ihre Freundin fotografiert hat und danach in einem Bildeditor noch mehr oder weniger gelungen garnierte.

Das Thema: Bilderflut oder gar -überflutung dürfte uns in den kommenden Jahren sicher noch häufiger beschäftigen. Mein Vorschlag: weniger machen, dafür besser. Und über allem steht: Macht es für Euch, nicht für die Klicks.

Model: Tessa Jean Cook the Great 🙂