Mein Gehirn hasst mich

Musing about Muses I

Diesem Blogeintrag muss ich einen Seufzer voranstellen: „Ach!“ Ohne vorausgreifen zu wollen, dürfte das auch so ziemlich die Quintessenz von Wochen und Monaten Nachdenkens über dieses Thema sein, seit ich diesen Artikel geschrieben hatte: Klicke hier!

Neiderfüllt blickt die zeitgenössische Fotografin in die glorreiche Vergangenheit, z.B. auf Picasso und Konsorten, die in ihrem Schaffensleben auf jahrelange fruchtbare Zusammenarbeit mit seelenverwandten Modeln zurückgreifen konnten. Verfügbar, vorhanden, dauerhaft. Nicht einfach nur eine schöne Hülle vor der Leinwand (oder Linse), nein, vollwertige Künstlerinnen, die Visionen nicht nur darstellten, sondern über viele Jahre befruchteten und mit Leben erfüllten.

Zurück im musenleeren oberfränkischen Fotostudio (fernab der griechischen Mythologie, die von halbgöttlichen Nymphenwesen geradezu wabern musste): Die Fotografin – also ich – hat eine Bildidee, die sie gerne umsetzen möchte. Beim Gedanken an eine „Muse“ stellen sich mir aber alle Haare zu Berge, zu sehr ist dieser Begriff befrachtet mit sexuellen Konnotationen. Eine Jobausschreibung in den Modelportalen: Fotografin sucht Muse, würde sicher das beabsichtigte Gegenteil bewirken und die Zielgruppe schreiend in die Flucht schlagen. Andererseits sollte ich das Experiment vielleicht trotzdem wagen, auch auf die Gefahr hin, dass ich in der Community meine Reputation von superseriös auf halbseiden neubewertet wird. Ein ruinierter Ruf soll ja schon der Anfang manch einer großen Karriere gewesen sein …

… Scherz beiseite, mir schwebte seit langem eine möglichst neutrale weibliche Figur vor, bevorzugt ultrakurzhaarig, für tendenziell abstrakte Bilder mit Bewegungsunschärfe durch Langzeitbelichtung. Fast alle greifbaren Modelle, zeichnen sich durch wallendes Haar und meist auch auffälligen Körperschmuck aus, Tattoos, Nasenringe, allenthalben. Ausgeprägte hübsche Gesichter voller Charakter gibt es erfreulicherweise wie Sand am Meer. Aber ein Mensch mit einem Gesicht wie eine Leinwand, das durch Visaarbeit wandelbar ist, war gesucht.

„Plopp“ macht es und eine Anfrage im Eingang der Model-Kartei trudelte ein. Gewünschter Typ befände sich bald auf Durchreise durch mein Territorium. 3-mm-langes Haupthaar und selber bildende Künstlerin. Ein Glücksfall? Potenziell!

Das Shoot naht und tatsächlich gelingt alles auf Anhieb in etwa so, wie ich es mir vorgestellt habe. Auch ein wackliges Stativ konnte meine Bildidee nicht ruinieren oder die Tatsache, dass ich keine Ahnung hatte, wie eine Langzeitbelichtung mit Studioblitz gelingen könnte. Beim nächsten irrlichternden Vorbeiflug einer appollonischen Nymphe kann ich das aber ganz bestimmt! Nehme ich mir fest vor.

Warum eigentlich das anfängliche dramatische Geseufze zum Thema fotografische Muse? Offen gesagt, hätte ich das Experiment zu gerne wiederholt, muss aber auf den nächsten Zufall warten oder ihm etwas auf die Sprünge helfen.

To be continued. Bestimmt. ”Ach!“

Abgebildet auf den Beitragsbildern: Karolina Koblenova, Malerin und Model.
Karolina auf Facebook.

Hier ein interessanter Artikel zu einem modernen „Musenbegriff“

was ist eine muse und was hat sie mit liebe zu tun?

Und hier der Blogtext auf Englisch:

I have to precede this blog entry with a big sigh: „Oy vay!“ Without telling everything up front, this is about the essence of my pondering the subject for weeks and months after writing this article „Of Muses and Men“. http://bloomoose.de/2016/07/20/von-musen-und-menschen/

The contemporary photographer looks at the glorious past of Picasso and the likes, filled with envy, who could look back on years of prolific cooperation with kindred spirits. Available and long-lasting so. They weren´t just empty shells in front of a canvas (or lens), no, they were full-blown artists in their own right who would go further than depicting a vision, but stimulating it and filling it with life.

Back to the Upper Franconian photo studio so devoid of muses (far from Greek mythology that seemed to be reeling with nymphs): a photographer – ok, that would be me – has a photographic idea she would like to realise. Thinking of the notion „muse“ I get nauseous, though, as it is is burdened with sexual connotations. If I ever offered a job on one of those model portals, saying „photographer looking for a muse“ I would create the opposite reaction and cause the target group to run away screaming. On the other hand, maybe I should dare experiment and really do it, risking that my reputation would rapidly change from „very trustworthy“ to „not so trustworthy“. If your reputation is finally ruined, your career might as well take off …

… Just kidding. For some time I had fathomed a female character to work with, preferably short-haired, for blurry pictures in long time exposures with an abstract air about them. Most of the models available to me have long, gorgeous hair and lots of piercings and tattoos. Strikingly beautiful faces in their own right seem to be everywhere, which is a good thing. But I wanted that face that would be like an empty canvas and could be changed with makeup.

„Plop“ goes the incoming message in my model-kartei account. Just about the character I described was going to travel through my territory. 3 mm of hair and a fine artist herself at that. Lucky coincidence? Possibly!

The shoot draws near and – lo and behold – everything turns out to be as I had imagined. A wobbly tripod couldn´t ruin it or the fact that I had no idea how to set up a long time exposure in a studio with flash lights. Next time one of apollo´s nymph comes flying by, I will be prepared. Anyway, that´s my plan.

You may ask why I dramatically heaved a sigh at the beginning of this blog entry? Honestly, I really wanted to have more than one go at the experiment. But I guess, I will have to wait for the next lucky coincidence or give it a little push in the rear.

To be continued. I´m sure. „Oy vay!“

Depicted on the images: Karolina Koblenova, Painter und Model.
Karolina on Facebook.

Here is an interesting article about what a modern muse could be:

A photographer´s thoughts about muses

Interview mit Model Dimdi – Teil I

„Endlich mal ein Model, das gerne von ihrem Hobby erzählt“, dachte ich mir, als ich auf Dimdis Texte stieß, die leider derzeit nicht öffentlich zugänglich sind. Hier habe ich einen Teil von Dimdis Gedanken bereits kommentiert: Link zum Beitrag. Ich dachte mir, wir sollten uns unbedingt über die menschliche Seite in sog. TfP-Shoots (Time for Pictures) unterhalten, also Treffen, bei denen sich Model und FotografIn ohne Geldfluss zusammenfinden, um Bilder für ihr Portfolio anzufertigen. Da das Interview sehr lange ist, habe ich es in zwei Teile aufgeteilt, es ist geplant, Bilder von Dimdi hier zu veröffentlichen, wenn wir beide Zeit hatten, gemeinsam zu shooten.

Pam: Dimdi, danke, dass Du Dich bereit erklärt hast, mir ein paar Fragen über Deine Leidenschaft zum Modeln zu beantworten. Ich freue mich sehr darüber, da meistens nur die Fotografen bloggen, und somit nur sehr selten das Erleben vor der Kamera beleuchtet wird. Du hast ja schon selber Artikel über Deine Arbeit verfasst, die sogar in einem Buch veröffentlicht wurden. Hierbei hast Du dem Bereich „Vorbereitungen auf ein Shoot“ besondere Aufmerksamkeit gewidmet, indem Du Leitfäden für beide Seiten entwickelt hast.

Vorgespräche – Hui oder Pfui?

Findest Du die Kommunikation mit Fotografen allgemein verbesserungswürdig? Im Vorfeld wird ja oft umständlich hin- und hergeschrieben. Ist für Dich ein Telefonat ein wichtiges Entscheidungskriterium, ob Du mit ihm/ihr zusammenarbeiten möchtest? Wäre ein persönliches Vorgespräch sogar der Goldstandard?

Dimdi: Pam, ich freue mich ebenfalls sehr über die Möglichkeit, mich mit dir auszutauschen! Deine erste Frage ist ja schon sehr spannend. Ich persönlich telefoniere extrem ungern, auch wenn sich dadurch gewiss das ein oder andere Missverständnis vermeiden liesse. Auch ein persönliches Treffen vor dem Shooting ist für mich nicht zwingend notwendig. Leider ist es bei meinen bisherigen Shootings schon vorgekommen, dass ich mir die Zeit für ein ausführliches Vorabtreffen genommen habe – und wir das Shooting dann doch nicht durchgezogen haben, aus welchen Gründen auch immer. Deshalb bin ich zwar bei ausdrücklichem Wunsch eines Fotografen natürlich zu so einem Vorabgespräch bereit – würde das aber von meiner Seite her nie vorschlagen.

Pam: Es ist ja auch ein zusätzlicher Aufwand, der das spätere Shoot u.U. gar nicht verbessert, wir haben alle keine Zeit zu verschenken. Hast Du aber schon mal erlebt, dass ein Fotograf sich zwar bei der schriftlichen oder telefonischen Vorbereitung klar ausdrücken konnte, aber dann in der Ausführung Probleme hatte, seine Vorstellungen zu äußern?

Dimdi: Nein, das gab es bisher noch nie. Was allerdings vorkam, ist, dass tatsächlich sogar die Fotografen, die auf einem Vorabtreffen bestanden, es dann tatsächlich nicht schafften, mir und der Visa die versprochene (kleine!) Anzahl Bilder zu liefern … das ist besonders ärgerlich, wenn man sich selber so viel Zeit für die Vorbereitung und das Shooting genommen hat.

Grundsätzlich hatte ich sehr selten wirklich krasse Verständigungsprobleme mit Fotografen. Wie sieht das bei dir mit den Modellen aus?

Pam: Ich mache gerne Vorgespräche mit einem kleinen Shoot, denn dann sehe ich am ehesten das Potenzial einer Zusammarbeit, z.B. welche Ausstrahlung und Ausdrucksfähigkeit da ist und ausgebaut werden kann. Manche Models haben so ein sonniges Gemüt, dass es nicht zielführend wäre, sich ein düsteres Thema vornehmen zu wollen. Wieder andere Models sind auf melancholische Romantik abonniert. Ich glaube, dass fast alle meine Modelle etwas verunsichert sind, wenn ich ihnen Hausaufgaben bis zum nächsten Shoot mitgebe, also Moods zu studieren oder vor dem Spiegel zu üben. Das klingt zwar seltsam, aber ist oft notwendig, dass die Gegenseite über sich selbst nachdenkt und zu einem eigenen Stil findet, falls der noch nicht vorhanden ist. Wer sich auf die Anleitung des Fotografen verlässt, kann schlecht sich selbst darstellen.

Dimdi: Das ist natürlich wieder ein sehr spannender Ansatz, den ich persönlich so (noch) nicht kenne, weil ich selten Shootings hatte, bei denen ich wirklich einfach nur mich selber darstellen sollte. Ich denke, dass ich zu solchen Shootings bisher einfach noch nie den Mut hatte. Ausserdem fände ich mich selber nicht interessant genug, um nur meine Persönlichkeit als Shootingthema zu wählen 😀

Pam: Das solltest Du aber unbedingt mal probieren! Vielleicht schaffe ich es ja, Deinen Mann für die Fotografie zu begeistern, das sind oft die fruchtbarsten fotografischen Beziehungen, wo das Model nicht nur als Muse, sondern auch als Partner fungiert. Man kennt sich am besten und hat viel Zeit zum Experimentieren.

TfP um jeden „Preis“?

Würdest Du auch von jemandem fotografiert werden wollen, der zwar als Mensch schwierig erscheint, dessen Bilderkunst Dir jedoch zusagt? Oft sind die größten Künstler ja menschlich – ich sage mal: gewöhnungsbedürftig.

Dimdi: (lacht) Aber selbstverständlich würde ich das wollen! Es geht uns beiden ja schlussendlich nur um eines: tolle Kunstwerke zu schaffen.

Wir haben uns aus einem bestimmten Grund gefunden und uns gegenseitig künstlerisch spannend gefunden – also stehen selbst Sprachbarrieren einer gemeinsamen Zusammenarbeit nicht im Wege. Und wer weiss, vielleicht wirke ich auf die Person ja auch eher schwierig?

Einmal hatte ich sogar ein Shooting mit einem Fotografen, der während des ganzen Shootings vielleicht insgesamt 2-3 Worte gesagt hat! Das war echt eine Herausforderung.

Ein absolutes No-Go für mich ist ausschliesslich fehlende Höflichkeit. Wenn ich mich unhöflich behandelt fühle, dann breche ich das Shooting bereits während den Shootingvorbereitungen ab.

Vielen Dank an Wolfgang, alias WH-F, für die Bereitstellung dieses wunderbaren Porträts von Dimdi.

Projekte und Unvorhergesehenes

Pam: Da gebe ich Dir absolut Recht! Ein höfliches Miteinander ist absolute Voraussetzung. Man liest ja viel auf Facebook über die menschlichen Entgleisungen, die bei TfP-Zusammenkünften passieren und das liegt meines Erachtens daran, dass man sich mit einem Fremden trifft, aber hohe Ansprüche an das Ergebnis hat. Das funktioniert in vielen Fällen, geht aber auch oft daneben.

Dimdi: Auf jeden Fall, da ist bei allen Beteiligten zusätzlich zur Höflichkeit und Geduld schon auch ein hoher EQ nötig, um dann so zu reagieren, dass das Shooting trotz der vielleicht auftauchenden Missverständnisse noch klappt.

Pam: Es ist immer schade, wenn man sich auf eine Zusammenarbeit freut, die aber dann nicht so harmonisch und fruchtbar wird, wie erhofft.

Gibt es einen Aufnahmebereich, den Du gerne einmal angehen möchtest, sich dafür aber noch kein geeigneter Projektpartner finden ließ?

Dimdi: Bisher habe ich es selbst für die ausgefallensten Ideen geschafft, die passenden Projektpartner zu finden! Darüber bin ich sehr happy.

Was ich gerne mal noch machen würde, wäre ein Shooting mit den „Chugeli“ (Mosaik-Kugeln) meiner Mutter. Und von meinem Mann hätte ich auch gerne mal richtig tolle Bilder. Aber meine eigenen Ideen konnte ich tatsächlich bisher immer früher oder später umsetzen. Was sind deine Wunsch-Shootings oder Aufnahmebereiche, an die du dich bisher noch nicht wagen konntest?

Pam: Ich hatte bisher auch das große Glück, Modelle für die Themen zu finden, die mich ansprechen. Z.B. habe ich eine Serie zum Thema „Verzweiflung“ machen können mit einem Model, das selber über ihr künstlerisches Leben bloggt. Ich denke, dass Emotionen zu transportieren, die eigentliche Kunst ist und es ein Glücksfall ist, wenn beide Akteure dieselben Gefühlslagen nachempfinden können. So habe ich tatsächlich in meiner Jugend, etwa im Alter meines Models, sehr viel Angst vor der Zukunft erlebt und war oft verzweifelt, so konnte ich das im Nachhinein fotografisch aufarbeiten und bin dankbar, wenn ich nicht vor der Kamera herhalten muss, denn ich bin leider gar nicht fotogen.

Was sind denn das für Mosaikkugeln, die Deine Mutter macht und wie würdest Du sie in einem Shoot einsetzen?

Dimdi: Du findest ihre Kunstwerke unter Flagging-Mirror.ch. Sie verwerteten recycelte Materialien, wie Spiegel und Keramikplättli, die bei Renovierungen als Abfall entstehen. Ich könnte mir mit den Chugeli epische Bilder vorstellen, am liebsten in einer weiten, kargen Landschaft, nur ich als Modell mit einem wallenden Kleid, irgendwo in der Landschaft, bei kalttonigen Chugeli vielleicht über der Baumgrenze, bei warmtonigen Chugeli in den Dünen von Corralejo … aber das sind Träume. Die Kunstwerke sind natürlich schwierig zu transportieren (schmunzelt).

Pam: Bei so großen Objekten würde ich eher Fotomontagen probieren 🙂

Dimdi, wie findest Du Deine Ideen? Stöberst Du auf Pinterest oder in Magazinen? Gibt es Vorbilder oder Idole, die Dich inspirieren?

Dimdi: Ich finde meine Ideen meist grossartig! (Haha, Scherz beiseite). Leider fehlt mir die Zeit, um wirklich zu stöbern, und auch wirkliche Vorbilder oder Musen habe ich nicht. Oft sehe ich Szenen in Filmen, die ich so gerne als Bild festhalten würde – meist bin ich dann aber zu faul, um zu der entsprechenden Szene zurück zu spulen und sie abzufotografieren. Meistens lasse ich mich von Fotografen oder Menschen in meiner Umgebung mitreissen.

Pam: Ich finde ja den Film „Sin City“ vom Bildstil her toll, wüsste aber nicht, wen ich da so düster fotografieren wollte (lach) … Wenn ich einen Wunsch bei der berühmten Fee freihätte, würde ich gerne Alina Süggeler porträtieren, obwohl es von der schon so viele tolle Bilder gibt, so dass ich da wahrscheinlich nicht viel Besseres zustandebrächte, selbst wenn ich die Gelegenheit bekäme. Am Ende schränken Vorbilder auch zu stark ein.

Dimdi: „Sin City“ ist echt noch einmal eine ganz besondere Kunstsparte, die käme sicher gut mit einem richtig kernigen Modell, vielleicht Signor G aus Mannheim? Alina Süggeler wirkt auf mich wie ein sehr besonderer Mensch, vielleicht wünscht sie sich mal eine gefühlvolle Home-Serie in ihren eigenen vier Wänden?

Ich höre oft von Fotografinnen und Fotografen, die ewig lange damit warten, ihr „Traummodell“ anzuschreiben – und dann positiv überrascht werden, wie begeistert die Stars reagieren. Wer würde sich nicht freuen, wenn ein toller Fotograf sich meldet und sagt: „Du gefällst mir. Lass uns Bilder machen, die du lieben wirst!“

Pam: Ich werde demnächst allen meinen Mut zusammennehmen und sie anschreiben. Vielleicht klappt es ja. Eine Porträtsession von einem Menschen zu machen ist einfacher, als ein geeignetes Model für ein eigenes Projekt zu finden.

Ich sehe bei meinen freien Arbeiten oft das Problem, dass mich ein Model optisch begeisterte und ich sie/ihn für ein Thema gewinnen konnte, aber sehe, dass er oder sie sich dann in der Umsetzung zu arg verbiegen müsste, was natürlich nie funktioniert. Hast Du schon mal erlebt, dass Du einem zuvor gewählten Sujet letztlich nichts abgewinnen konntest?

Pleiten, Pech und Pannen?

Dimdi: Leider ja – oft hatten Fotografen Bildideen dabei, die wir dann umzusetzen versuchten. Dann war es aber mir körperlich nicht möglich, mich so zu verrenken – oder aber wir mussten feststellen, dass das Bild mit technischen Hilfsmitteln gemacht wurde, die uns nicht zur Verfügung stehen. Schwebenden Leitern oder fliegenden Teppichen oder so.

Pam: Das kenne ich auch nur allzu gut. Ich finde manchmal auf Pinterest tolle Posings, die dem Model dann aber nicht liegen. Umgekehrt habe ich auch schon Vorbilder per Smartphone gezeigt bekommen, die ich dann auf die Schnelle beleuchtungstechnisch nicht so hinbekommen habe. Da muss man schauen, dass man sich gegenseitig nicht demotiviert.

Dimdi: Auf jeden Fall. In dem Fall würde ich sogar sehr schnell zu einem anderen Thema übergehen. Ich hatte mal mit einem echt tollen Fotografen einen echt anstrengenden Shoot, weil er, sonst schon eher wortkarg, dann noch fast verzweifelt ist über einer bestimmten Lichtstimmung, die er nicht hingekriegt hat, und das über mehr als zwei Stunden – das war dann für alle Beteiligten ein grosser Frust, obwohl wir sogar bewusst ein Lichteinstellungen-Testshooting geplant hatten … und auch über die Bilder konnten wir uns dann nicht mehr wirklich freuen.

Kreativität und Planung

Pam: Du schriebst in einem Artikel über den Ablauf eines Shoots „Man spricht im Voraus ab, welche Sets man shooten möchte, welche Kleidung man dazu benutzen möchte, welche Schuhe und welche Accessoires … und macht dann etwas komplett anderes. :)“ Woran liegt das und ist das vielleicht gerade das Wesen der Kreativität, dass sie sich nicht planen lässt?

Dimdi: Nun, bestimmt liegt das auch im Wesen der Kreativität und im Wesen der Beteiligten, insbesondere in meinem Wesen … wenn ich die Situation live vor Ort sehe, das Studio, das Set, die Landschaft … dann komme ich meistens selber auf neue Ideen, die ich dann so sanft wie möglich (haha) ins Geschehen einfliessen lasse. Das heisst, ich bin quirlig und beteilige mich aktiv am Shooting – und versuche dabei, den Fotografen nicht zu überfordern und nach jedem Auslösen kurz zu warten, ob nicht doch ein „Bleib so!“ vom Fotografen folgt. Etwas planen ist also sicher nicht schlecht – aber man soll und darf sich auch gerne zu kreativen Planänderungen hinreissen lassen, wenns nach mir geht 🙂

Pam: Das sehe ich auch so. Zu viel planen ist schlecht, aber ein bisschen muss man sich immer vorbereiten. Da hilft es, wenn man sich schon kennt und weiß, welche Schnittmengen beide Seiten haben. Meine Models kriegen es immer sehr schnell mit, dass ich mit vielen Accessoires nichts anfangen kann und sie keine drei Koffer mit zum Shoot mitbringen brauchen. Schwerter und Pferdepeitschen z.B. lösen in mir Schwächeanfälle aus, so dass ich kaum mehr die Kamera heben kann 😉

Dimdi: Also kein Game-of-Thrones-Shooting für dich? (lacht).

Pam: Nein, nicht mal im betrunkenen Zustand 😉 Gab es schon mal ein lustiges Erlebnis bei einem Shoot, bei dem herzlich gelacht wurde?

Dimdi: Das gibt es bei jedem Shooting, mindestens einmal. Spontan fällt mir ein Aktshooting im Hochsommer an einem Teich ein, wo der Fotograf mich gefragt hat, ob es mich stört, wenn er auch noch kurz ins Wasser springt? Natürlich nicht, antwortete ich, und schwupps, hüpfte neben mir ein nackter Mann ins Wasser … darauf war ich echt nicht gefasst gewesen! Fand ich aber wirklich lustig – das ist mal tatsächlich ein Aktshooting!

Pam: Solange ich mich zum Fotografieren nicht ausziehen muss, ist mir alles egal (grinst).

Dimdi: Was war dein lustigstes Erlebnis?

Pam: Ich bin berüchtigt dafür, dass bei mir am Set angespanntes Arbeiten vorherrscht. Das liegt daran, dass ich meine Vorstellungen umsetze und meine Modelle oft stark gefordert sind. Aber in den Pausen wird es oft sehr lustig.

Am meisten musste ich über ein Aktmodel schmunzeln, das bei einem Sharing in der Mittagspause am Buffet stand wie Gott sie schuf und Nudelsalat in sich schaufelte. Ich liebe solche unkomplizierte Menschen mit Humor.

Schokolade und andere Belohnungen

Dimdi (mit leuchtenden Augen): Bei euch gibt es Buffetts?!

Pam: Genau, bei mir gibt es bei längeren Zusammenkünften kalorienreiche und leckere Speisen, die für Models sonst tabu sind, also Pizza, Nudelsalat, Schokolade und Chips mit Käsedip 😉

Hast Du eigentlich schon mal mit einer Fotografin gearbeitet, und wenn ja, hatte das einen Einfluss auf Deine Arbeit? Welche Zielgruppe siehst Du bei Deinen Bildern, sollen sie eher Männern oder Frauen gefallen oder am Ende einer ganz bestimmten Person? Dir selbst am meisten?

Dimdi: Ja, ich durfte schon mehrmals mit Fotografinnen zusammenarbeiten. Die Zusammenarbeit war für mich im Grossen und Ganzen nicht anders, als die mit den Männern. Als Zielgruppe habe ich während meiner Facebook-Fanpage-Zeit hocherfreut feststellen dürfen, dass meine Bilder bei beiden Geschlechtern Anklang finden – dies, so vermute ich, weil ich auch mit meinen Aktbildern immer darauf achte, dass diese ästhetisch und ansprechend sind – höchstens mal frech, nie vulgär. So zählen zu meinen grössten Fans auch meine Eltern und mein Ehemann, was mich natürlich besonders stolz macht.

Pam: Am meisten freue ich mich, wenn das Model selber die Bilder mag. Insgeheim bin ich enttäuscht, wenn sie wenig gezeigt werden, aber manchmal bin ich auch egoistisch und bearbeite vor allem Bilder, die mir gefallen. Gemein, gell? Ich bin auch immer wieder überrascht, welche Bilder die Models zur Bearbeitung auswählen, die ich selber gar nicht so gelungen finde. Es ist aber immer mein Ziel, den Menschen möglichst schön darzustellen, evtl. ist das für mich auch ein Korsett, das mich daran hindert, mich weiterzuentwickeln.

Dimdi: Ich lasse meist die Fotografen aussuchen, ausser, es gibt grad eines, von dem ich schon während des Shoots weiss, dass ich es lieben werde. Ich finde es nicht egoistisch, wenn du vor allem „deine Lieblingsbilder“ bearbeitest, denn ich denke, du als Fotografin hast eher ein Auge fürs Schöne an den Bildern, fürs Besondere, für die Bildsprache, für die Technik, die dahinter steht. Die meisten Modelle, darunter auch ich, achten vor allem auf die eigene Mimik, und dann noch auf den Schärfeverlauf – da können Bilder untergehen, die als Ganzes sehr stimmig und schön wären.

Pam: Man selber wählt sicher die Bilder aus, auf denen man sich am schönsten findet. Es erschreckt mich, wie überkritisch manche hübsche Menschen sich selbst betrachten!

Wie wichtig ist eigentlich eine positive Rückmeldung bei der gemeinsamen Arbeit? Ist Dir konzentriertes Arbeiten lieber oder magst Du lieber lockere Unterhaltung?

Dimdi: Meist kommt die positive Rückmeldung erst nach dem Shooting. Während des Shootings, also wenn ich vor der Kamera stehe, arbeite ich zwar gerne konzentriert, allerdings immer aufgelockert durch Grimassen und funny Posing, um auch schöne Schnappschüsse und Making-Of Bilder zu machen. So entstanden sogar manche wunderbaren Bilder, auf denen man meinen Charakter sehr gut erkennen kann.

Wenn ich während des Shootings aber so gar keine Rückmeldung auf mein Posing und meine Mimik erhalte, dann fordere ich das mit subtilen, aktiven Rückfragen ein: „Du bist zufrieden …?“ „Ich mache einfach mal so weiter, und du sagst mir, wenn ich was anders machen soll, ja?“ Für mich ideal wäre also eine gute Mischung.

Wie sieht es denn bei dir aus? Gab es auch schon Situationen, wo du dir gedacht hast, wie schön es doch wäre, wenn das Modell eher etwas ruhiger wäre?

Temperament erwünscht!

Pam: Nein, ich liebe dynamische und spontane Menschen! Ich bin selber ein kleiner ADHS-Flummi und springe viel herum, deshalb liegen mir Models mit einem ähnlichen Temperament, wie ich es habe. Zarte und empfindsame Seelen haben es da sicher oft schwer mit mir. Eigentlich bin ich auch immer diejenige, die sich den Mund fusselig redet. In einem Sharing hatte ich mal ein Model, das vor der Kamera ausdrucksstark und konzentriert war und dann in den Shootingpausen völlig in sich versunken in einer Ecke saß. Ich nenne sie liebevoll Zone Out Girl 😉 Aber letztlich zählt die Präsenz beim Shoot.

Dimdi: Oh wow, das Modell würde ich gerne mal kennenlernen. Mein pures Gegenstück vermutlich …

Pam: Ich kann Dir gerne mal den Link zu ihren Portfolio schicken …

Rhythmus, Flow und Pausen

Ich überlege mir übrigens immer wieder, wie ich als Fotografin meinen Workflow verbessern könnte, rufe mir in Erinnerung, welche Fehler mir beim letzten Shoot unterlaufen sind und wie ich sie zukünftig vermeiden kann. Der Blick durch den Sucher z.B. lässt einen Details übersehen, die später am großen Bildschirm störend wirken. Mittlerweile nehme ich meinen Laptop immer mit und prüfe häufiger Zwischenergebnisse an diesem. Diese Pausen können aber manche Models aus dem Rhythmus bringen, wie ist es bei Dir?

Dimdi: Lange Pausen während des Shootings sind tatsächlich etwas irritierend, dies aber vor allem, wenn ich nicht weiss, warum diese entstehen, oder wenn sie sich ewig in die Länge ziehen.

Auch jedes einzelne Bild durchklicken und intensiv analysieren mag ich persönlich nicht so, weil dafür dann meiner Meinung nach zu viel wertvolle Shootingzeit drauf geht, und ich dann irgendwie den „Lauf“ verliere und aus dem Takt komme.

Oft aber ist es an den Bildern aber halt wirklich einfacher zu zeigen, was genau das Problem ist, oder was der Fotograf gerne anders hätte … darum lasse ich mich natürlich auch immer auf solche Pausen ein.

Pam: Ja, ich glaube, da muss man einen guten Zwischenweg finden. Ich brauche öfter mal eine Pause, in der ich sogar ein Bild schnell bearbeite, um zu zeigen, welche Vorstellung ich vom Ergebnis habe. Ich ermüde schnell beim Fotografieren, lebe aber beim Bearbeiten total auf. Bei mir muss also kein Model lange auf seine Bilder warten, das ist sicher ein Vorteil. Das beste Feedback sind zügig zugeschickte erste Ergebnisse, finde ich. Manche Bearbeitungen müssen dann reifen und kommen erst Wochen später von mir. Aber so lange möchte ich niemanden warten lassen und so gibt es eigentlich immer ein paar erste Bearbeitungen innerhalb von einem Tag.

Dimdi: Perfekt, du bist somit in meinem Kopf grad in die Liga der TOP-Fotografinnen aufgestiegen! Nichts ist befriedigender und schöner, so finde ich, als bald nach dem Shooting schon ein, zwei bearbeitete Leckerbissen vorzeigen zu können. Wenn dann später noch Nachzügler kommen, ist meine kleine Dimdiwelt perfekt.

Originalität oder Mainstream?

Pam: So soll es ja auch sein! Aber manche meiner Kollegen müssen das Shoot auch erst mal eine Zeit lang ad acta legen und die Bilder dann unvoreingenommen auswählen. Da bin ich anders, ich weiß immer gleich, welche mir am besten gefallen, ich bin da völlig intuitiv. Was mir heute gefällt, gefällt mir morgen auch noch.

Es fällt mir aber oft schwer, gerade bei textilarmen Themen, mein Model anzuleiten, einerseits möchte ich das Bildergebnis steuern, andererseits möchte ich die Ausdruckskraft des Models nicht behindern. Beide bewegen sich auf einer Gratwanderung zwischen Inszenierung und Authentizität. Es besteht immer die Gefahr, dass man in den Mainstream von Playboy und Co. abgleitet. Siehst Du dieses Spannungsfeld auch in Deinen erotischen Arbeiten? Was kann man tun, um nicht auf allzu bekannte Darstellungsmuster zurückzufallen und sich selbst treu zu bleiben?

Dimdi: Hm, darüber habe ich mir jetzt ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht. Jedes Modell ist an und für sich ja schon einzigartig, und jeder Fotograf bzw. jede Fotografin, Visa, jeder Bearbeitungsstil zusätzlich auch noch. Da ich ausserdem nicht annähernd den Körper oder die Mimik eines High-Class-Models habe, wie sie in den bekannten Heften dargestellt werden, habe ich mich noch nie darüber gesorgt.

Pam: Gerade High-Class-Modelle wirken sehr natürlich. Man blickt die Bilder an und findet, dass sie genau so und nicht anders aussehen müssten. Ich finde Deine Bilder dahingehend auch immer überzeugend, Deine Sedcard wirkt auf mich wie aus einem Guss. Das sehe ich gerade in der Modelkartei selten und zeugt für mich immer von Professionalität.

Dimdi: Oh danke, das ist wohl eines der tollsten Komplimente, die man bekommen kann! Ich arbeite auch fleissig daran, meine Bilder regelmässig auszusortieren und nur die auf der obersten Ebene zu haben, die meiner Meinung nach von der Qualität her meine Besten oder Liebsten sind. Mein Ziel war immer, dass das mal jemandem auffällt – dieses Ziel habe ich somit also erreicht. Danke!

Pam: Gerne 🙂 Hat man überhaupt noch eine Chance, in der täglichen Bilderflut des Mittelmäßigen außergewöhnliche Ausdrucksformen zu finden?

Dimdi: Ja, die Chancen hat man natürlich – allerdings ist es auch so, dass es für jede Idee irgendwie doch schon jemanden gibt, der das schon mal so umgesetzt hat. Man ist nie einzigartig. Wenn man das erkennt und sich dessen bewusst wird, ist das zwar vielleicht eine ziemliche Ernüchterung, aber wer Kunst um der Kunst willen machen möchte und nicht in der Illusion lebt, reich und berühmt zu werden, kann damit aber vermutlich auch ganz gut leben.

Pam: Reich wird man meistens mit langweiligen Jobs … berühmt eher mit Skandalen. Beides hat natürlich keinen Platz in freien Arbeiten, in denen es – wie Du schon schriebst – um künstlerische Ausdrucksformen geht. Letztlich sollen die entstandenen Bilder überzeugen, und wenn man sie selber gut findet, dann gefallen sie auch einem größeren Publikum.

Dimdi: Genau. Und wer will schon reich sein? Geld und Fame machen auf die Dauer doch nur unglücklich. Und wir sind positive, glückliche Menschen – so soll es, auch dank der Kunst, doch auch bleiben.

Pam: Geld und Ruhm machen auf Dauer unglücklich! Na das ist doch mal ein toller Abschlusssatz für den ersten Teil unseres Model-Fotografen-Interviews. Vielen Dank, Dimdi, dass Du mir so offen und unverstellt geantwortet hast.

Teil II folgt bald!
Dimdis Portfolio in der MK

Die Bilder von Dimdi stammen von:
WH-Fs Portfolio in der MK

Anonyme Workshopholiker

Deutschland, Anfang Januar 2017. Ein Mini Cooper in Schmutzmetallic pflügt sich durch den Schneematsch auf der Autobahn südlich gen Unterhaching. Das Verkehrsleitsystem empfiehlt eine Spitzengeschwindigkeit von 80 km/h, rechts auf der Standspur liegt ein verunfalltes Auto auf dem Dach, doch der Blick der Desperado-Fotografin am Steuer ist starr durch die Windschutzscheibe auf das Schneetreiben vor ihren Augen gerichtet. „Werde ich rechtzeitig ankommen?“ ist ihr einziger Gedanke, denn ihr Ziel ist der Mittelpunkt des Workshop-Paralleluniversums von Stefan Gesell (fotosym.de).

Unbedarften Lesern sei es erlaubt zu glauben, dass es bessere Orte gäbe, an denen man sich an einem Sonntag um 6.30 Uhr aufhalten könne als im Schneesturm, man denke spontan an ein Wasserbett oder den auf 40° geheizten Whirlpool unweit davon. Aber ein rechter Workshopholiker lächelt verächtlich jegliche Bedenken hinweg.

Kaum etwas über 3 Stunden später dann Check-in im Vorraum der Therapiegruppe, es wird Kaffee mit einem 600-Kalorien-Hörnchen gereicht, ein 1-kg-Nutella-Glas ist immer in Reichweite. Die ersten Rauchschwaden umhüllen zärtlich die nach und nach eintrudelnden Behandlungsbedürftigen.

Stefan Gesell, eine Art moderner Sigmund Freud der Surreal Art, durch viele Workshopabsagen ergraut, mit Psychologenbart, stimmt die wackere Runde väterlich auf das Programm des Workshops ein: 5 Aktmodelle, 5 Schachteln Marlboro (aktiv oder passiv geraucht – egal), 5.000 Kalorien aus vorwiegend Zucker und Fett. Wir lauschen ehrfürchtig dem Motto des Tages: „Du brauchst kein schönes Netz, um Fische zu fangen“.

Schehera-KC.

Ein Blick auf die kleine Herde ausnehmend bildhübscher Models offenbart, dass mit dem hässlichen Fischfanggerät wir Fotografen gemeint sind. Aber das macht uns nichts aus, freudig erregt schwärmen wir hinein in den Gruppenraum, darin eine Recamière und diverse Therapiegeräte auf uns warten. Während wir uns als anonyme Workshopholiker austauschen und fotografieren, bereitet die Gastgeberin draußen leckere Frühlingsrollen und Hühnernudeln à la Pad Thai vor. Nach dem Mittagessen ist der rote Diwan belegt mit glücklich Verdauenden, der Kaffee- und Colaverbrauch steigt exponentiell an.

Rassamee Gesell vor Zubereitung des Mittagsessens.

Wer gedacht hat, dass er nur seelisch gestreichelt wird, hat sich getäuscht, der gestrenge Workshopleiter fordert von den Teinehmern sich einzubringen, Menschen, die mit einem Aktmodell fast schon überfordert sind, sollen nun eine Installation aus derer drei machen. Tapfer machen wir uns ans Werk (siehe Beitragsbild). Ich bin daraufhin etwas zittrig, wahrscheinlich unterzuckert, und esse Zitronenkuchen. Erst nach einer zusätzlichen Himbeersahneschnitte fühle ich mich wieder etwas gestärkt.

Der Aktworkshop steuert auf seinen Höhepunkt zu, Surreal Art à la Gesell mit Model KC, die Posings vollbringt, wie man sie eigentlich noch nirgends gesehen hat, wahrscheinlich weil sie in Wirklichkeit gar nicht machbar wären. Kollegin Rassamee sucht noch ein paar schmerzhaft aussehende yogaähnliche Positionen aus den Tiefen ihrer Smartphone-Galerien heraus – fast meinte ich einen kleinen Hauch von Sadismus über ihr Gesicht huschen zu sehen, doch ich täuschte mich sicherlich. Während sich die Verrenkungskünstlerin am Morgen danach vermutlich mit Muskelkater konfrontiert sah, vermeldetete die Waage der Schreiberin dieser Zeilen ein sattes Plus auf der Habenseite.

Yoga-Grunge.

Wenn ich schnöde gegenrechnen wollte, was ich für 199 Euro Workshop bekommen habe, sähe die Aufstellung so aus:

Frühstück – 15 Euro

Mittagessen – 30 Euro

Desserts – 8 Euro

5 Models – 700 Euro

Yogastellungen von KC lernen – 150 Euro

Lebensweisheiten Stefan Gesell – 97 Euro

Nette Kollegen kennenlernen – unbezahlbar!

Macht immerhin summa summarum: 1.000 Euro! Das gibt es sonst nirgends. Umgelegt auf den Nährwertgehalt der gereichten Speisen, ergibt sich damit das weltbeste Preis-Kalorienverhältnis, wenn man das Nutellaglas mit in die Berechnungen einbezieht.

Also macht Euch auf nach Unterhaching in die Katakomben des coolsten zeitgenössischen Künstlers der Digital Art und lasst Euch verzaubern.