Kamerafalltest

Grauen im Grünen

Vorsicht: reißerischer Titel, der eigentlich nichts mit dem Thema zu tun hat 😉

Die mäßig erfolgreiche Studiofotografin begab sich kürzlich im Rahmen eines Gesell-Workshops www.fotosym.de zum Thema „Zauberwald“ in die weiten Fluren der Isar-Auen, um sich fortzubilden. Hinaus aus der Comfort Zone, hinein in das Wetter-Überraschungsei mit Beleuchtung, die ein Eigenleben führt, offiziell auch „Sonne“ genannt. Auf dem Weg zur Location regnete es dauerhaft, bei Ankunft war es einigermaßen trocken und praktischerweise überhangen. Eigentlich ideal für ein Outdoorshoot.

zauberwald1

Stefan Gesells Devise: Nicht kleckern, sondern klotzen. Hier wird die unbegabte Workshop-Teilnehmerin praktisch von der Modelmenge überrannt.

In zwei Trupps à 5 Mann (ich die einzige Trägerin von Doppel-X-Chromosomen) waren wir schnell eingeteilt, ich rätsle immer noch, ob ich es war, deren Körpergeruch den Ausschlag gab, uns Gruppe „Iltis“ zu nennen. Wir krabbelten durchs feuchte Unterholz zu einem großen umfgefallenen Baum, vermoost und verträumt. Ich biss mir in die geballte Faust, während das Model das glitschige, tote Holz erklomm und sich dort amazonenhaft in Position brachte. Gottseidank unverletzt. Seit diesem Tag ist mir klar: Ein Überlebenstraining würde ich keine 2 Stunden durchstehen.

zauberwald4

Du kummst hier nicht rein!

Die Sonne dachte, sie mache uns eine Freude, als sie endlich eine Lücke zwischen den Wolken fand, aber gerade auf Feld und Flur wünscht man keine großen und harten Kontraste, wenn man letztlich Personen fotografiert. Unschöne messerscharfe Schatten unter Nasen und Augen kann man vermeiden, indem man einen Blitz mit Porty einsetzt, aber weiches Available Light ist hier ideal, weil gleichmäßiger und natürlicher. Im Wald ist es auch meist schattig:

Also Blende aufgerissen. Mein zuverlässiges Arbeitsmonster ist ein Sigma 50 1.4, das sogar ganz offen superscharf ist und der AF auf dem Auge sitzt. Verliebt streichelte ich das Hochleistungsobjektiv, aber – o Ach, o Graus! – auf größere Distanzen als ich es sonst einsetze, verschiebt sich der Autofokus dann doch ins Nirvana vor oder hinter dem anvisierten Schärfepunkt (so genau wollte ich es nicht wissen). Praktischerweise habe ich ja ein Sigma-Dock, um die Firmware zu überschreiben und verschiedene AF-Korrekturen je nach Distanz einzupflegen. Hätte ich das mal vor dem Shoot getestet und getan.

In Zeiten von LCD-Displays fällt einem solches Unbill jedoch sehr schnell auf und ich konnte reagieren, in dem ich die Blende dann eben wieder leicht schloss. Größtes Problem ist bei so einem Shoot im Wald nicht technischer Art, sondern eigentlich die Tatsache, dass man eine künstlich-gestellte Situation hat. Gelöst hat das die Art-Direktion, indem sie kurzerhand das Thema „Warriors in the Woods“ ausrief. Amazonen sind dort in ihrem natürlichen Habitat und noch dazu komplett mit Pelz und Patronentasche zu finden. Authenizität – Check!

zauberwald5

Lulu, die Unermüdliche …

Klimatische Abwechslung hatten vor allem die Models zu beklagen, die in 15°C kaltem Wasser gleich neben den Getränkenflaschen Angriffsszenen stellten. Schwerter, Tomahawk, Spieße, alles dabei. Auf dem Weg vom Parkplatz zur Location mussten wir dem Auszug aus Ägypten geähnelt haben. Danach ein wassergekühltes Radler. Das leckere Mittagsessen von Madame Gesell und wie immer nette Gespräche unter gleichgesinnten Verrückten ließen mich neue Kräfte und Hoffnung schöpfen. Immerhin war mein Attention Span nach über 2 Stunden Raserei auf der Autobahn und 3 Stunden Fotografieren ohne hinzufallen merklich verkürzt.

Dann noch ein bisschen urbane Szenen mit den Amazonen vor Graffiti-Wänden fotografiert und schon war ich von den Strapazen des Outdoorshoots erlöst und kaum zweieinhalb Stunden Tiefflug mit Hindernissen auf der A9 später setzte ich mich frisch ans Bildbearbeitungswerk.

Wenn sich jemand fragt, wann das Grauen endlich beginnt, jetzt ist es soweit! Die fortgeschrittene Bildbearbeiterin stellt fest, dass Natur gar nicht so einfach aufzupeppen ist. Grün ist eigentlich ziemlich langweilig. Puh, was tun? Der Indian Summer Filter der NIK-Filter-Sammlung ist in der folgenden Zeit praktisch heißgelaufen. Also erst mal das Grün in Richtung Rotbraun trimmen.

Und dann? Großes Rätseln und Probieren mit nicht ganz überzeugenden Ergebnissen. Aber das für mich gesteckte Lernziel dieses Workshops habe ich erreicht, nämlich herauszufinden, ob Outdoor nicht doch etwas für mich wäre. Während ich diese Zeilen Mitte Juli 2016 schreibe, fällt mein Blick aus dem Fenster auf Regen bei 15 °C. Was war noch mal die Frage?

zauberwald2

Schön und gefährlich – und überzeugend. Rassamee.

Ist Zitronencreme auf Mittelformat noch cremiger?

Food-Fotografinnen gehören zu einer besonderen Gruppe von Menschen. Zuerst recherchieren sie Rezepte in unzähligen Kochbüchern, dann kochen, backen, rühren und richten sie an, um schließlich ihr Werk für die Nachwelt auf Silikon zu bannen.

Elisabeth von Pölnitz-Eisfeld gehört zur illustren Gruppe der Food-Blogger und veröffentlicht ihre Bilder und Rezepte seit geraumer Zeit kostenlos – dafür auf höchstem Niveau – auf ihrer Webseite:

http://elisabethvonpoelnitz.de/

Ich weiß nicht, ob sie mit selbstgebackenem Kuchen oder Dessertcreme arbeitete, um Hasselblad zur Herausgabe einer H5D mit 40 MB-Digitalback zu überreden, aber sie war erfolgreich und bekam das Kameraschätzchen im Gegenwert eines Kleinwagens zum Test zur Verfügung gestellt.

Canon vs. Hassy

Wer sich ein bisschen mit Kamerageschichte auskennt, weiß, dass früher Mittelformat klassisch quadratisch war, meist 6 x 6 cm groß, und dass praktisch nur Profis damit arbeiteten. Wer was auf sich hielt, musste ein Hasselblad-System haben, zwingend.

vergleich_hoch

Das ist allerdings lange her und mittlerweile fotografiert die Welt – auch die professionelle – überwiegend mit digitalem Kleinbildformat. Im Falle von Elisabeth mit einer Canon 5D Mark II mit 24-70/2.8 bzw. 100er Makroobjektiv. Diese ließ sie nun gegen eine Hasselblad H5D mit einem 80er Objektiv antreten. Alle Einstellungen waren bei Blende 4 und 1/125 s. Wer sich auskennt, weiß, dass es mittlerweile KB-Sensoren mit 42 Mpix von Sony gibt, also Auflösung alleine kann nicht das ausschlaggebende Argument für ein Mittelformatsystem sein. Zur Erinnerung, der Silikonchip der Canon ist 36 x 24 mm groß, der der Hassy ca. 36 x 49 mm.

Größerer Sensor, besseres Bild?

Die Experten sind sich mittlerweile einig, dass man in Webauflösung eigentlich keinen nennenswerten Unterschied zwischen MF und KB entdecken kann. Blindtests führen immer wieder zur Erheiterung. So geriet www.luminous-landscape.com einmal aus Versehen ein Bild einer Kompaktkamera für 600 Euro neben das einer 25.000 Phase One und keinem fiel es auf. Die Unterschiede lassen sich auf eine geringere Tiefenschärfe bei Mittelformat zurückführen (wenn man nicht die Kleinbildkamera entsprechend aufblendet). Elisabeth von Pölnitz entschied sich dazu, beide Kameras bei Blende 4 und 1/125 s zu vergleichen, da das ihre gewohnten Einstellungen sind.

Aber wie überall, so gilt auch hier: Das Bessere ist des Guten Feind. Bei näherer Betrachtung sieht man, dass der größere und teurere Sensor mehr Detail aufnimmt und auch weichere Farbübergänge bringt, d.h., dass man mehr Farbabstufungen hat, gut erkennbar an den Lichtern, die bei der Hassy immer noch etwas dichter sind. Man nennt das auch Dynamikumfang. 95% der Menschheit wird das nicht auffallen, aber wer das braucht, der muss tiefer in die Tasche greifen.

Die Kreditkarte zittert

Die Hasselblad kostet mit einem Objektiv rund 10.000 Euro, während man eine aktuelle Kleinbild-DSLR von CaNikon für 2000 Euro mit einem Makroobjektiv bekommen kann. Das Mittelformatgehäuse ist groß und schwer mit einem beeindruckenden satt klingenden Schwungspiegel. Die Technik liegt solide und griffig in der Hand und wirkt superprofessionell. Möchte man mit sowas eine Veranstaltung fotografieren? Nein … Träumen Fotografinnen von sowas nachts? Aber ja!

Disclaimer

Natürlich sind Food- und Fotokunst-Bloggerinnen keine verkappten Technikerinnen, die wissenschaftliche Versuchsaufbauten zum nachvollziehbaren Kameratest konstruieren. Deshalb darf Kritik an der Methodik gerne bei Euch bleiben. Wir fotografieren nur.