TfP-Menscheleien

Der erste Teil meiner Überlegungen zu TfP ist hier nachzulesen:

TfP-Shoots – Fluch oder Segen?

Wenn ein People-Fotograf also neue Looks, Lichttechnik oder Objektive ausprobieren möchte, dann gibt es die Möglichkeit, sich zeigefreudige Menschen für freie Arbeiten zu suchen. Das ist ähnlich zu sehen, wie der angehende Friseur, der einem Mutigen die Haare schneidet und stylt und dafür nichts verlangt, allerdings auch ohne Garantie, dass es dem Experimentierfreudigen nachher auch gefällt. Man nennt das in der Fotografie TfP, es fließt kein Geld, dafür haben beide Parteien am Ende Bilder, mit denen sie mehr oder weniger anfangen können. Wenn gelungen, werden sie ins Portfolio eingereiht und alle Beteiligten, z.B. auch Bodypainter oder Makeup-Artists sind glücklich.

TfP ist jedoch immer ein Risiko bei Erstkontakten. Im Vorfeld kann es dazu kommen, dass Fotografen Modelle zu Aufnahmebereichen, z.B. Akt bewegen wollen, obwohl das gar nicht zur Debatte steht. Im Nachgang kann es dazu kommen, dass Bilder nicht geliefert werden, was ja die eigentliche Bezahlung für den Menschen vor der Kamera sein sollte. Für den Fotografen kann das gemeinsame Shoot enttäuschend gelaufen sein, die Zusammenarbeit stand unter keinem guten Stern oder das Thema war zu anspruchsvoll. Das ist alles völlig normal, auch wenn es oft beklagt wird. TfP-Shoots sind immer wieder ein Quell von Enttäuschungen und daraus folgenden ewigen Meckerthreads in den einschlägigen Foren.

Wie in jedem Bereich, wo Menschen zusammenkommen und konkurrierende Interessen aufeinandertreffen, menschelt es. Fotograf will Akt, Model wünscht Lifestyle; Fotograf ist bearbeitungsfaul, Model wünscht Aufgehyptes. In diesem Spannungsfeld bewegen sich die Verhandlungen und die Ergebnisse. Manchmal wird auch neben der Zeit aufgerechnet, wer mehr zum Shoot monetär eingesetzt hat, der Fotograf wirft Studio und Kamerasystem in die Diskussion, das Model hat Anfahrtskosten, in Schminke und Outfits investiert. Der Fotograf hat oft nach dem Shoot noch erheblichen Bearbeitungsaufwand, während das Model sich im Fitnessstudio quält, um schlank und attraktiv zu bleiben.

Jeder hat so seine Strategien, um mit diesen Spannungen bei TfP umzugehen, der eine Fotograf bestimmt, welche Bilder er bearbeitet und wie, der andere gibt Bilder heraus, die er nicht so gut findet, besteht aber darauf, nicht verlinkt zu werden. Sind beide Seiten im Glücksfall miteinander zufrieden gewesen, kann man die Zusammenarbeit bei weiteren Treffen vertiefen. Manch einer sucht immer wieder neue Gesichter und lässt sich deshalb häufiger auf solche Überraschungseier ein, die oft zu Frustrationen führen. Glücklich ist, wer auf einen Pool von zuverlässigen und hochmotivierten Modellen zurückgreifen kann.

Eigentlich ist schon aus Gründen der innewohnenden Tätigkeiten der Fotograf über weite Strecken der aktivere Teil. Er fotografiert, er dirigiert, er bearbeitet und liefert (hoffentlich). Zumindest ist es in den meisten Begegnungen so, weil im Hobby eben nicht arbeitsteilig produziert wird. In professionellen Produktionen gibt es Stylisten, Assistenten, Art-Direktoren, Makeup-Artists uvm., der Amateur versucht alles in Personalunion zu verwirklichen und kann natürlich nicht in allen Bereichen überzeugen.

Wer als Fotograf verlässlich und vertrauenswürdig handelt, keine Bilder veröffentlicht, die nicht freigegeben waren, dem Model die Bilder liefert, die er/sie gewünscht hat, der kann gar nicht anders, der wird ein gutes Netzwerk aufbauen, vorausgesetzt die Models bleiben weiterhin interessiert und aktiv dabei. Da ändern sich ja auch Lebensumstände, der neue Freund ist eifersüchtig, die neue Arbeit beansprucht alle Energie etc. Mit manchen Modellen versteht man sich auch privat super, andere bleiben einem eher fremd, sind aber fotografisch die großen Talente. Manchmal stimmt die Chemie auch weder fotografisch noch menschlich. Dann haben beide eben etwas Zeit verloren.

Letztlich stellt sich immer noch die Frage, ob TfP oder Pay dem Fotografen lieber ist. Manchmal ist es tatsächlich einfacher, der Fotograf nimmt ein paar Euros in die Hand und bucht einen Profi. Damit spart er sich den Zeitaufwand, um die Leistung des Models zu bezahlen, indem er ein Mehr an Bearbeitung vornimmt. Bei den aufgerufenen Honoraren kann das aber sehr schnell ins Geld gehen und die Ergebnisse sind oft nicht geeignet einem potenziellen Kunden realistisch zu erwartende Ergebnisse zu zeigen.

Das Beitragsbild zeigt Jessy Schneider, das Bild im Artikel Julia. Vielen Dank an beide dafür, dass sie sich für meine Experimente zur Verfügung gestellt haben.