Musing about Muses I

Diesem Blogeintrag muss ich einen Seufzer voranstellen: „Ach!“ Ohne vorausgreifen zu wollen, dürfte das auch so ziemlich die Quintessenz von Wochen und Monaten Nachdenkens über dieses Thema sein, seit ich diesen Artikel geschrieben hatte: Klicke hier!

Neiderfüllt blickt die zeitgenössische Fotografin in die glorreiche Vergangenheit, z.B. auf Picasso und Konsorten, die in ihrem Schaffensleben auf jahrelange fruchtbare Zusammenarbeit mit seelenverwandten Modeln zurückgreifen konnten. Verfügbar, vorhanden, dauerhaft. Nicht einfach nur eine schöne Hülle vor der Leinwand (oder Linse), nein, vollwertige Künstlerinnen, die Visionen nicht nur darstellten, sondern über viele Jahre befruchteten und mit Leben erfüllten.

Zurück im musenleeren oberfränkischen Fotostudio (fernab der griechischen Mythologie, die von halbgöttlichen Nymphenwesen geradezu wabern musste): Die Fotografin – also ich – hat eine Bildidee, die sie gerne umsetzen möchte. Beim Gedanken an eine „Muse“ stellen sich mir aber alle Haare zu Berge, zu sehr ist dieser Begriff befrachtet mit sexuellen Konnotationen. Eine Jobausschreibung in den Modelportalen: Fotografin sucht Muse, würde sicher das beabsichtigte Gegenteil bewirken und die Zielgruppe schreiend in die Flucht schlagen. Andererseits sollte ich das Experiment vielleicht trotzdem wagen, auch auf die Gefahr hin, dass ich in der Community meine Reputation von superseriös auf halbseiden neubewertet wird. Ein ruinierter Ruf soll ja schon der Anfang manch einer großen Karriere gewesen sein …

… Scherz beiseite, mir schwebte seit langem eine möglichst neutrale weibliche Figur vor, bevorzugt ultrakurzhaarig, für tendenziell abstrakte Bilder mit Bewegungsunschärfe durch Langzeitbelichtung. Fast alle greifbaren Modelle, zeichnen sich durch wallendes Haar und meist auch auffälligen Körperschmuck aus, Tattoos, Nasenringe, allenthalben. Ausgeprägte hübsche Gesichter voller Charakter gibt es erfreulicherweise wie Sand am Meer. Aber ein Mensch mit einem Gesicht wie eine Leinwand, das durch Visaarbeit wandelbar ist, war gesucht.

„Plopp“ macht es und eine Anfrage im Eingang der Model-Kartei trudelte ein. Gewünschter Typ befände sich bald auf Durchreise durch mein Territorium. 3-mm-langes Haupthaar und selber bildende Künstlerin. Ein Glücksfall? Potenziell!

Das Shoot naht und tatsächlich gelingt alles auf Anhieb in etwa so, wie ich es mir vorgestellt habe. Auch ein wackliges Stativ konnte meine Bildidee nicht ruinieren oder die Tatsache, dass ich keine Ahnung hatte, wie eine Langzeitbelichtung mit Studioblitz gelingen könnte. Beim nächsten irrlichternden Vorbeiflug einer appollonischen Nymphe kann ich das aber ganz bestimmt! Nehme ich mir fest vor.

Warum eigentlich das anfängliche dramatische Geseufze zum Thema fotografische Muse? Offen gesagt, hätte ich das Experiment zu gerne wiederholt, muss aber auf den nächsten Zufall warten oder ihm etwas auf die Sprünge helfen.

To be continued. Bestimmt. ”Ach!“

Abgebildet auf den Beitragsbildern: Karolina Koblenova, Malerin und Model.
Karolina auf Facebook.

Hier ein interessanter Artikel zu einem modernen „Musenbegriff“

was ist eine muse und was hat sie mit liebe zu tun?

Und hier der Blogtext auf Englisch:

I have to precede this blog entry with a big sigh: „Oy vay!“ Without telling everything up front, this is about the essence of my pondering the subject for weeks and months after writing this article „Of Muses and Men“. http://bloomoose.de/2016/07/20/von-musen-und-menschen/

The contemporary photographer looks at the glorious past of Picasso and the likes, filled with envy, who could look back on years of prolific cooperation with kindred spirits. Available and long-lasting so. They weren´t just empty shells in front of a canvas (or lens), no, they were full-blown artists in their own right who would go further than depicting a vision, but stimulating it and filling it with life.

Back to the Upper Franconian photo studio so devoid of muses (far from Greek mythology that seemed to be reeling with nymphs): a photographer – ok, that would be me – has a photographic idea she would like to realise. Thinking of the notion „muse“ I get nauseous, though, as it is is burdened with sexual connotations. If I ever offered a job on one of those model portals, saying „photographer looking for a muse“ I would create the opposite reaction and cause the target group to run away screaming. On the other hand, maybe I should dare experiment and really do it, risking that my reputation would rapidly change from „very trustworthy“ to „not so trustworthy“. If your reputation is finally ruined, your career might as well take off …

… Just kidding. For some time I had fathomed a female character to work with, preferably short-haired, for blurry pictures in long time exposures with an abstract air about them. Most of the models available to me have long, gorgeous hair and lots of piercings and tattoos. Strikingly beautiful faces in their own right seem to be everywhere, which is a good thing. But I wanted that face that would be like an empty canvas and could be changed with makeup.

„Plop“ goes the incoming message in my model-kartei account. Just about the character I described was going to travel through my territory. 3 mm of hair and a fine artist herself at that. Lucky coincidence? Possibly!

The shoot draws near and – lo and behold – everything turns out to be as I had imagined. A wobbly tripod couldn´t ruin it or the fact that I had no idea how to set up a long time exposure in a studio with flash lights. Next time one of apollo´s nymph comes flying by, I will be prepared. Anyway, that´s my plan.

You may ask why I dramatically heaved a sigh at the beginning of this blog entry? Honestly, I really wanted to have more than one go at the experiment. But I guess, I will have to wait for the next lucky coincidence or give it a little push in the rear.

To be continued. I´m sure. „Oy vay!“

Depicted on the images: Karolina Koblenova, Painter und Model.
Karolina on Facebook.

Here is an interesting article about what a modern muse could be:

A photographer´s thoughts about muses