Profit vs. Prestige

„Money versus creativity, profit versus prestige – this is the tension that bookers and clients constantly must resolve in their work.“ Ashley Mears

Bei der Lektüre von Ashley Mears’ Studie in Buchform über das Modelgeschäft „Pricing Beauty“ stieß ich auf diesen nachdenkenswerten Satz. Es geht darum, dass im Fashion Business die prestigeträchtigsten Editorial-Jobs bei Vogue & Co. am schlechtesten bezahlt sind, während die tumbe Katalog-Akkordarbeit für Billigmarken viel Geld bringt, aber im Gegenzug in der Regel alle Aufstiegschancen ruiniert. Das gilt für Models wie für Fotografen gleichermaßen. Nach einer gewissen Zeit im lukrativen Kataloggeschäft verliert man alle Chancen, für Editorials gebucht zu werden. Wieder ein Schlag der Realität ins Gesicht der von Ruhm und Reichtum träumenden Models/Fotografen, offensichtlich muss man sich für eins von beiden entscheiden. Reich oder sexy 😉

Geldverdienen oder Kreativsein

Wer keine Fashion-Ambitionen hat, stellt fest, dass sich die Gesetzmäßigkeiten der Haute Couture auch auf andere, profanere Bereiche übertragen lassen. Medientraumjobs beispielsweise werden schlechter bezahlt, höhere Gehälter bringen eher Finanz- oder Technikberufe. Wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, kommt man auch von selber darauf, dass Entlohnung eine Entschädigung für Lebenszeit ist, je schwieriger und profitabler, desto mehr kann man dafür verlangen.

Wie sieht es im Leben eines/r Wald-und-Wiesen-Porträtfotografen/in aus? Gibt es dort auch die Spannung zwischen Geld und Kreativität? Ich kenne tatsächlich Kollegen/innen, die steuerrechtlich nur knapp über der Liebhaberei mit ihrem Gewerbe operieren, einfach weil die Leidenschaft für teure Model-Sharings und unprofitables Eigenmarketing stark zu Buche schlagen. Ein Schelm, der den Spruch prägte: Klicks bei Facebook sind so viel wert wie Monopoly-Geld. Für 5 Euro kann man übrigens in Fernost 500 Likes auf Facebook oder Instagrambilder einkaufen. Wer für einen Freund fragen möchte, schreibe mir diskret eine E-Mail.

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Ziegruppenorientiertes Marketing von Fotografen – gibt es das tatsächlich?

Wenn also die Bildergalerien auf der Fotografenwebseite voller rothaariger, sommersprossiger Schönheiten mit Schmachtblick oder – dem männlichen Gegenstück: geölten Muskelprotzen mit Wasserperlen auf der Haut – gefüllt ist, darf man sich nicht wundern, wenn normalsterbliche Kunden Schwellenängste entwickeln. Klüger wäre es, sich auf Männer mit Bierbäuchen oder Erotikbilder von 50+-Damen zu spezialisieren. Das wäre dann ein zielgruppengerechtes Portfolio, was nach meiner Recherche jedoch seltener als der Yeti zu sichten ist.

Dann lieber sexy

Letztlich greift der Bildschaffende dann doch zur überdurchschnittlich hübschen Alternative, die oft noch kostspielig ist. Aber wo sind die gut gebauten Herren und Damen zu finden? Die Modelkartei ist ein Portal, in dem vor allem über den Mangel an eben denselben gejammert wird. Im günstigsten Fall findet man schöne Menschen im Bekannten- und Freundeskreis, die für wenig bis gar kein Honorar ihre Bildrechte abtreten im Austausch für liebevoll bearbeitete kleine Kunstwerke, sog. Time-for-Picture-Projekte. Natürlich soll man nebenberufliche oder Vollzeit-Profis buchen, wenn man entsprechende Ergebnisse erzielen möchte, aber die Erfahrung zeigt, dass die gemeinsame Arbeit mehr begeistert, wenn die Tätigkeit vor der Linse nicht nur ein Job ist, sondern eine Herzensangelegenheit. Routine langweilt alle Beteiligten schnell, Professionialität ist ein zweischneidiges Schwert.

Fotografie als Liebhaberei ist doch der Königsweg …

Beide Bilder in diesem Beitrag entstanden in Zusammenarbeit mit dem genialen, akrobatischen Model Lexa Lee:

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