Kann man von Fotografie leben?

Den nachfolgenden Artikel des Bunds Professioneller Fotografen möchte ich hier gerne 1:1 weitergeben (danke an Katrin Taepke, photographic.net, die mich darauf hingewiesen hat).

Viele Leute überlegen ja, ob sie mit Fotografie Geld verdienen können. Dementsprechend tummeln sich immer mehr Fotografen auf einem Markt, der eigentlich schon kaputt ist. Früher gab es in jeder Stadt Fotofachgeschäfte, in denen man eine Kamera kaufen konnte und Portraitbilder anfertigen. Heute haben die sich stark dezimiert, denn man kauft bei amazon.de und sucht sucht sich einen TfP-Fotografen in der Modelkartei, der ohne Entgelt sein Können anbietet. Die Digitalfotografie gepaart mit dem Internet machen es möglich. Ich finde das prinzipiell gut!

Allerdings kann ich nur jeden warnen, der glaubt, mit ein paar Bildern einen schnellen Euro machen zu können. Die Anschaffungskosten sind erheblich, natürlich auch die Studiomiete, falls vorhanden, schlägt zu Buche. 80 % der Berufsfotografen, die bei der HWK gemeldet sind, krebsen unter dem Existenzminimum herum und dazu gibt es ja noch eine hohe Dunkelziffer an ungemeldeten Fotografen oder solchen, die bei einer IHK Mitglied sind (so wie ich).

Der Bund Professioneller Fotografen auf FB

FOTOGRAFENHANDWERK BOOMT WEITER – KEIN ENDE IN SICHT!

21.494 selbstständige Fotografen zählte das Fotografenhandwerk zum Stichtag 31.12. 2015.

Gegenüber dem Vorjahr 2014 ist dies ein Plus von 13,4% ( 2.518 neue Betriebe). Insgesamt meldeten sich im Jahr 2015 4.731 neue Handwerksfotografen bei den Kammern an. 2.213 Fotografen wurden als Mitglieder gestrichen.

Seit dem 01.01.2004 ( Beginn der Handwerksreform / Fotografie wurde ein zulassungsfreies Gewerke) wuchs die Zahl der Handwerksfotografen von damals 3.483 auf jetzt 21.494 ( + 517%!). Inzwischen ist das Fotografenhandwerk mit der höchsten prozentualen Steigerung und Personenzahl aller Gewerke das Boomhandwerk schlechthin.

Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Seit 2006 liegt die jährliche prozentuale Steigerung der Mitgliedszahlen immer konstant bei 12 bis 15%.

Die Schattenseite der Medaille:

Meister- und Gesellenausbildung spielen, wenn man die absoluten Zahlen nimmt, kaum noch eine Rolle.

Der Wettbewerb auf dem Markt hat sich zu einem immer härteren Verdrängungswettbewerb entwickelt. Mit teilweise abenteuerlichen Preisstrukturen und einem völlig unzureichenden beruflichen Know How versuchen sich viele Neueinsteiger auf dem Markt zu etablieren.

Die nebenberufliche Tätigkeit überwiegt hier bei weitem gegenüber den hauptberuflichen Akteuren.

Laut Angabe verschiedener HWKs agieren inzwischen über 80% aller registrierten Fotografen bereits unterhalb des wirtschaftlichen Existenzminimums.

Nennenswerte Fotografeninnungen sind kaum noch existent. Der über die Jahre extrem geschrumpfte Centralverband Deutscher Berufsfotografen -CV- besitzt weder Willen noch Einfluss, um korrigierend einzugreifen.

Michael Belz, der Leiter des bpp, bezeichnet die immer größer werdende Anzahl von Berufsfotografen als eine „Blase von wirtschaftlichen Scheinselbstständigkeiten“, die irgendwann platzen werde.

 

Hier noch die Statistik:

ZDH-Statistik