Das Me-Too-Syndrom

Gehört habe ich diesen Ausdruck das erste Mal im Zusammenhang mit Kameraherstellern. Vor ein paar Jahren hatte jeder Einstiegskompaktkameras für wenige Euros im Programm, nur damit sie im Angebot waren. Klein, wenig besser als Smartphones, eigentlich Wegwerfartikel, eben sog. Me-Too-Artikel – muss man eben auch haben, auch wenn es umgelabelte Chinaware ist. Irgendwann werden sie übrigens tatsächlich von den immer besser werdenden Smartphone-Kameras abgelöst.

Als ich jüngst meine Festplatte aufräumte und Altdaten auslagerte, fiel mir auf, dass ein Großteil meiner Bilder in diese Me-Too-Kategorie fallen. Klar, Porträts für Bewerbungen, Gruppenbilder von Teams, Innenaufnahmen von Praxisräumen – das gehört zum täglichen Handwerk. Aber tragischerweise hielten auch meine freie Arbeiten meinem kritischen Blick nicht mehr stand.

Gerade aber die Produkte meiner fotografischen Selbstverwirklichung sollten etwas Besonderes sein. Schnell analysierte ich, woran es liegt: Ich mache zu viel. Zu viele Shoots, zu viele Bilder pro Session, zu viele bearbeitete Dateien danach. Zuerst wählt man ein Thema gemeinsam mit dem Model, orientiert sich an Pinterest. Das fehlte mir noch im Portfolio, *klickklick*, abgehakt, im Kasten … me too. Habe ich auch.

Ich sehe dabei nicht unbedingt eine mangelnde Qualität in der Umsetzung, fast möchte ich sagen, es stört mich meine Halbherzigkeit dabei.

Je mehr ich mich frage, ob ich ein Märchenshoot angehen oder Extremmakeup ablichten möchte, desto häufiger ist die Antwort: Das können andere besser. Ich muss nicht alles machen oder probieren/üben. Ich möchte lieber Herzensprojekte umsetzen. Klar ist Pinterest ein hilfreiches Tool, um ein solches zu finden, aber zuvor muss eine Art Nabelschau stattfinden. Im Idealfall vor und hinter der Kamera! Die Person, die sich als Model zur Verfügung stellt, ist fast noch wichtiger!

2016 ist bereits fortgeschritten und ich komme doch noch zu einem neuen Vorsatz: Bessere Vorbereitung auf ein Shoot, Intention im Briefing klarmachen, sorgfältiger durchführen. Man wird sehen, ob ich es schaffe 🙂