Dezember 2015

Junkyard-Jesus

yardVor einigen Jahren – genauer gesagt im Juni 2013 – fuhr ich mit dem Fahrrad den Sendelbach in Bayreuth entlang und entdeckte einen malerisch unaufgeräumten Hinterhof mit ausgemusterten Grabsteinen. Der gehörte wahrscheinlich einer Firma, die zur Erlanger Straße hin Friedhofsartikel aus Stein anbot. Mitten in alten Paletten, Unkraut und neben einem Baucontainer befand sich eine Jesus-Statue, die wohl mal im nahegelegenen Stadtfriedhof gestanden und mittlerweile ausgedient hatte. Es sah so aus, als würde sie den Müll segnen.

Die Szene gefiel mir so gut, dass ich einige Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln machte, gerade so, dass ich nicht über den Zaun steigen musste, der das Grundstück eingrenzte.

Übrigens steht an der Stelle jetzt (2017) ein großes Gebäude, der „Schrottplatz“ ist also verschwunden. Wie gut, dass ich alles bereits fotografiert habe. Damals nahm ich mir fest vor, aus dem Bild etwas zu machen.

Bloß was, fragte ich mich vor ein paar Wochen dann etwas konkreter, als mir einfiel, dass es da noch diesen „Junkyard-Jesus“ auf meiner Festplatte gab. Also einen Titel hatte ich schon mal. Wie gut, dass es die englische Sprache gibt, die oft prägnanter ausdrückt, was man auf Deutsch kaum mit „Schrottplatz-Jesus“ übersetzen würde, sondern eher mit „Ausgediente Jesus-Statue im Grabstein-Friedhof“ oder Ähnliches.

junkyard-jesusNatürlich schwebte mir eine bunte, dekorative Bearbeitung vor, möglichst dramatisch und leuchtend zugleich. Also die sonnige Atmosphäre musste weichen, die Blumen durften als einziges in Gelb erstrahlen nebst einer Art Heiligenschein um den Segnenden.

Im Bild habe ich noch ein paar J und ein Kreuz versteckt.

 

 

 

 

English Translation:

A few years ago, in June of 2013 exactly, I rode my bike along Sendelbach – a little brook – in my home town Bayreuth and discovered a dreamy back yard with disused tomb stones and all kinds of rubble. This was probably part of a firm selling cemetery hardware. Between old palettes, weed and beside a construction container I spotted a statue of Jesus which I assumed came from the cemetery nearby, called „Stadtfriedhof“, and was no longer of use there. It looked as if it was blessing the scrap.

I liked the pictorial scene so much that I took some photographs from different perspectives as close as possible to the fence around the yard I didn’t want to climb over.

By the way, the junk yard has disappeared recently (there is a large building now). Thank God, I had taken pictures then, intending to create some art work later.

What could I possibly do with the images, I wondered a few weeks ago, when I came across that „Junkyard Jesus“ on my hard drive. Well, there I had my title! English is a great language for short and expressive slogans, in German the title would have read something like „Abandoned Statue of Jesus in a Tombstone Cemetery“ or something like that.

Of course, I went for a colorful and decorative style, with dramatic lighting. So I discarded the sunny atmosphere and put shiny halos around flowers and the statue.

I also hid some „Js“ and a cross in the scene.

TfP-Shoots – Fluch oder Segen?

Was machen Fotografen eigentlich, wenn sie ihr Können in Bildern auf ihrer Webseite zeigen wollen? Kundendaten sind in den meisten Fällen tabu. Für solche Werbezwecke bietet es sich an, ein sogenanntes TfP-Shoot anzustreben, was letztlich für beide Seiten kostenlos ist und nur der Zeitaufwand anfällt, deshalb „Time for Pictures“. Ganz stimmt das natürlich auch nicht, denn der Fotograf hat mindestens eine Kamera, im Idealfall noch ein Fotostudio mit Equipment zur Verfügung, das Model wirft neben ansprechendem Aussehen auch noch einiges an tollem Outfit und Schminkkunst mit in die Waage. Aber grundsätzlich fließt kein Geld, die Ressourcen sind auf beiden Seiten sowieso vorhanden, wie oft sie nun genutzt werden.

Viele Profis und Amateure sind deshalb in der model-kartei.de gelistet und hoffen, dass man nur in ebensolcher suchen muss, um gutaussehende, möglichst zuverlässige und professionelle Models zum Nulltarif zu bekommen. Jeder, der eine Zapf-Garage mit drei Chinablitzen sein eigen nennt, ist natürlich ein Fotograf und muss nur einen Job ausschreiben, damit die Mädels das E-Mail-Postfach zuspammen mit Anfragen zu allen möglichen Themen von Unterwasser bis Mehlverwirbelung. Selbstverständlich ist hier vor allem Teilakt aufwärts gefragt, normale Porträt-Shoots könnte man mit fast jedem machen, den man auf der Straße anspricht …

Das Leben ist auch hier kein Wunschkonzert

Hier platzt schon die Traumblase und die Realität hebt ihr hässliches Haupt. Der „Markt“ ist total übersättigt. Dilettierende Fotografen gibt es zuhauf und wirklich gute Modelle wissen um ihren Marktwert und verlangen ein Honorar zwischen 50 und 75 Euro pro Stunde. Autsch.

Der Wald-und-Wiesenbesitzer einer Einsteiger-DSLR rechnet knallhart und stellt fest, dass er in der Stunde wesentlich weniger verdient und fragt sich dementsprechend, was es wohl sein mag, dass diese Frauen – seltener Männer – auf den unverschämten Trichter bringt, so viele seiner hart verdienten Euros zu verlangen für ein bisschen Posieren. In den meisten Fällen glauben die Menschen hinter dem Objektiv, dass ihre Leistung mehr zählt, denn sie investieren ja auch noch Zeit in die Postproduktion, stempeln Hautblessuren weg und bearbeiten teilweise recht aufwändig die besten Bilder am Computer mit den gängigen Programmen, die ja auch nicht kostenlos sind.

Was ist bildentscheidend?

Es ist eine Tatsache, dass der Bildinhalt zu 90 % das Bildergebnis bestimmt. D.h., es ist ein Unterschied, ob Kate Moss oder Katrin Müller vor der Kamera steht. Und nein, es beeindruckt niemanden, welche Kamera Ihr habt. Im Studio bei Blende 8 und ISO 100 ist auch eine Einsteiger-DSLR nicht von einer High-End-Mittelformatkamera für 15.000 Euro zu unterscheiden, wenn man die Grundlagen der RAW-Konvertierung beherrscht. Blindtests haben zutage gebracht, dass der Betrachter keine Ahnung hat, ob das Gerät vor Deinem Auge 300, 3.000 oder 30.000 Euro gekostet hat. Ernüchternd … Für den Profi ist es jedoch manchmal wichtig, dass er zu einem Termin mit Ausrüstung kommt, die keiner der anwesenden sein eigen nennt. Ich selber habe mir beim Anfertigen von Business-Porträts schon sagen lassen, dass man selber die gleiche Nikon-DSLR habe, und dass die wirklich toll ist. Aber da war nur Handwerk gefragt.

Was allerdings jeder gleich sieht ist, ob ein zum Niederknieen schöner Mensch auf dem Bild zu sehen ist. Ich will gar nicht davon anfangen, wie schön das Motiv aussieht, wenn es von einer Visa gestylt wurde, die 150 Euro pro Stunde verlangt oder eine 300 Euro Windmaschine zum Einsatz kam.

Was meine ich persönlich also zu TfP-Shoots?

Ich liebe es, Menschen zu fotografieren, egal, ob Geld in meine Richtung fließt oder nicht. Für mich ist es immer spannend, wer da zur Tür hereinkommt ins Studio und welche Vorstellungen sich mit meinen vermischen. Selbstverständlich möchte ich gerne Geld verdienen. Aber wenn mich ein atemberaubend schöner Mensch anspricht, bin ich bereit, eine Dienstleistung im Tausch gegen wunderschöne Werbebilder anzubieten.

Immer öfter? Nein, aber wenn es passt. d.h., wenn ich Zeit zu verschenken habe für Bilder.