TfP-Shoots – Fluch oder Segen?

Was machen Fotografen eigentlich, wenn sie ihr Können in Bildern auf ihrer Webseite zeigen wollen? Kundendaten sind in den meisten Fällen tabu. Für solche Werbezwecke bietet es sich an, ein sogenanntes TfP-Shoot anzustreben, was letztlich für beide Seiten kostenlos ist und nur der Zeitaufwand anfällt, deshalb „Time for Pictures“. Ganz stimmt das natürlich auch nicht, denn der Fotograf hat mindestens eine Kamera, im Idealfall noch ein Fotostudio mit Equipment zur Verfügung, das Model wirft neben ansprechendem Aussehen auch noch einiges an tollem Outfit und Schminkkunst mit in die Waage. Aber grundsätzlich fließt kein Geld, die Ressourcen sind auf beiden Seiten sowieso vorhanden, wie oft sie nun genutzt werden.

Viele Profis und Amateure sind deshalb in der model-kartei.de gelistet und hoffen, dass man nur in ebensolcher suchen muss, um gutaussehende, möglichst zuverlässige und professionelle Models zum Nulltarif zu bekommen. Jeder, der eine Zapf-Garage mit drei Chinablitzen sein eigen nennt, ist natürlich ein Fotograf und muss nur einen Job ausschreiben, damit die Mädels das E-Mail-Postfach zuspammen mit Anfragen zu allen möglichen Themen von Unterwasser bis Mehlverwirbelung. Selbstverständlich ist hier vor allem Teilakt aufwärts gefragt, normale Porträt-Shoots könnte man mit fast jedem machen, den man auf der Straße anspricht …

Das Leben ist auch hier kein Wunschkonzert

Hier platzt schon die Traumblase und die Realität hebt ihr hässliches Haupt. Der „Markt“ ist total übersättigt. Dilettierende Fotografen gibt es zuhauf und wirklich gute Modelle wissen um ihren Marktwert und verlangen ein Honorar zwischen 50 und 75 Euro pro Stunde. Autsch.

Der Wald-und-Wiesenbesitzer einer Einsteiger-DSLR rechnet knallhart und stellt fest, dass er in der Stunde wesentlich weniger verdient und fragt sich dementsprechend, was es wohl sein mag, dass diese Frauen – seltener Männer – auf den unverschämten Trichter bringt, so viele seiner hart verdienten Euros zu verlangen für ein bisschen Posieren. In den meisten Fällen glauben die Menschen hinter dem Objektiv, dass ihre Leistung mehr zählt, denn sie investieren ja auch noch Zeit in die Postproduktion, stempeln Hautblessuren weg und bearbeiten teilweise recht aufwändig die besten Bilder am Computer mit den gängigen Programmen, die ja auch nicht kostenlos sind.

Was ist bildentscheidend?

Es ist eine Tatsache, dass der Bildinhalt zu 90 % das Bildergebnis bestimmt. D.h., es ist ein Unterschied, ob Kate Moss oder Katrin Müller vor der Kamera steht. Und nein, es beeindruckt niemanden, welche Kamera Ihr habt. Im Studio bei Blende 8 und ISO 100 ist auch eine Einsteiger-DSLR nicht von einer High-End-Mittelformatkamera für 15.000 Euro zu unterscheiden, wenn man die Grundlagen der RAW-Konvertierung beherrscht. Blindtests haben zutage gebracht, dass der Betrachter keine Ahnung hat, ob das Gerät vor Deinem Auge 300, 3.000 oder 30.000 Euro gekostet hat. Ernüchternd … Für den Profi ist es jedoch manchmal wichtig, dass er zu einem Termin mit Ausrüstung kommt, die keiner der anwesenden sein eigen nennt. Ich selber habe mir beim Anfertigen von Business-Porträts schon sagen lassen, dass man selber die gleiche Nikon-DSLR habe, und dass die wirklich toll ist. Aber da war nur Handwerk gefragt.

Was allerdings jeder gleich sieht ist, ob ein zum Niederknieen schöner Mensch auf dem Bild zu sehen ist. Ich will gar nicht davon anfangen, wie schön das Motiv aussieht, wenn es von einer Visa gestylt wurde, die 150 Euro pro Stunde verlangt oder eine 300 Euro Windmaschine zum Einsatz kam.

Was meine ich persönlich also zu TfP-Shoots?

Ich liebe es, Menschen zu fotografieren, egal, ob Geld in meine Richtung fließt oder nicht. Für mich ist es immer spannend, wer da zur Tür hereinkommt ins Studio und welche Vorstellungen sich mit meinen vermischen. Selbstverständlich möchte ich gerne Geld verdienen. Aber wenn mich ein atemberaubend schöner Mensch anspricht, bin ich bereit, eine Dienstleistung im Tausch gegen wunderschöne Werbebilder anzubieten.

Immer öfter? Nein, aber wenn es passt. d.h., wenn ich Zeit zu verschenken habe für Bilder.